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Hitze!

von Bettina Lege

Heiß - es ist so heiß, so schrecklich heiß! Die Nachtluft vom Duft des Jasmin gesättigt und kein Hauch bringt Kühlung. Auch Fächeln sorgt nicht für Erfrischung. Schweiß rinnt von der Hitze ermattete Körper entlang. Aus luftiger Höhe grinst der volle Mond hinunter auf die Schwitzenden im Gras. Die Schweißtropfen glitzern wie Diamanten, als wären Sterne auf feuchte Haut geklebt.

Halb geöffnete Lippen glänzen feucht - eine Zungenspitze fährt über Lippen - Augen blitzen - Atem streicht sanft über feucht-heiße Haut. In Wellen werden feine Härchen in einem Nacken niedergelegt. So heiß ist die Luft, daß die Glieder eines anderen kühl wie Marmor wirken, bezogen mit Samt und Seide, mit Schaffell und Wolfsfell. Haut schmeckt salzig, doch süß dieser Mund.

In halb geschlossenen Augen spiegelt sich der Mond, und eine Ahnung von Rosen trägt der Atem der Nacht heran. Die Blätter der Bäume rascheln, das hohe Gras bewegt sich, gezähnte Kanten streifen bloße Haut. Der Sternenhimmel war eben noch vollkommen. Jetzt schieben sich Wolken wie sanft leuchtende Schleier vor den Mond. Das Zirpen der Grillen verstummt. Ein plötzlicher Windstoß läßt frösteln. Haare auf feuchter Haut stellen sich auf, es durchschaudert die Körper. Und stärker wird der Wind. Die Äste der Bäume knarren, das Gras wird von Böen gebeugt. Ein helles Hemd flattert in die Nacht davon.

Ein Blitz! Einen Augenblick zeigt sein Licht vom Wind geschüttelte Bäume. Warm wie Atem ist dieser Wind, weht Haar in Stirnen, trocknet Haut. Ein Kuß, der Donner und wieder ein Blitz. Ein Tropfen trifft einen Arm, sanft wie zwei Lippen. Warm ist das Wasser und nach seinem Weg über die Haut so salzig wie eine Träne. Ein Tropfen auf eine Schulter, der Donner, ein Kuß.

Tropfen bedecken wie tausende feuchter Küsse Gesichter, Haar wird schwer. Das Wasser sammelt sich zu Rinnsalen, vereint sich zu Strömen, die streichelnd über Haut fließen, bahnt sich seinen Weg zwischen den Leibern, liebkost wie die Zunge eines Liebhabers, rinnt warm wie tastende Finger durch das Haar, die Beine entlang, zu Boden, und die staubige Erde wird warmer Schlamm zwischen Gräsern und Zehen. Wie tausend Finger trommelt der Regen auf verschlungene Leiber. Im Licht des Blitzes glänzt die vielgliedrige Gestalt wie mit Öl gesalbt.

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© Bettina Lege (eMail schreiben) 2004 / 2017,
zuletzt geändert am 15.06.2011.