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Rezension zu 'Yenayas Smaragd: Eine zweite Erzählung aus Dschanor' von Bianca M. Riescher, OhneOhren

von Bettina Lege, 08.02.2017

Eine runde Sache!

Lisaan von den Kreedan, ihres Zeichens Kriegerin und Priesterin der Kriegsgöttin Yenaya, trifft in einer bewaffneten Auseinandersetzung auf den Trijan-Krieger Tareq. Schnell stellt sich heraus, daß Tareq mit seinen Leuten vor kurzem den Tempel der Göttin geplündert hat und natürlich auch Yenayas Smaragd entwendete. Doch es ist etwas an ihm, das undeutliche Erinnerungen in Lisaan weckt - und auch Tareq scheint Erinnerungen an Lisaan zu haben. Das wechselnde Kampfgeschick in den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Kreedan und Trijan, zudem der Druck, dem sowohl Lisaan als auch Tareq durch ihre eigenen Leute ausgesetzt sind, macht es den beiden Protagonisten jedoch schwer, sich in Ruhe über ihre mysteriösen Ahnungen und Träume auszutauschen. Und auch zwei Götter Dschanors - Yenaya und die Schicksalsgöttin Am'Dara - haben ganz offensichtlich eigene Pläne mit den beiden Menschen.

Eineinhalb Jahre nach der ersten Erzählung aus Dschanor läßt Bianca M. Riescher ihre Protagonisten Lisaan und Tareq aus 'Mitternachtsrot' in ihrem neuen Buch 'Yenayas Smaragd' wieder auftauchen. Und nachdem die Leser in der früheren Erzählung die große Ebene und die dort lebenden Trijan kennenlernten, erwartet sie jetzt das Waldland und die Kreedan. Wieder wird die Natur, aber auch die Kultur der Menschen und ihre Art, die Götter zu verehren und ihren Willen zu erforschen, gerade so ausführlich dargestellt, wie es für das Verständnis der Geschichte notwendig ist. Allerdings ist die Geschichte düsterer als 'Mitternachtsrot', vielleicht auch weil sie in den Schatten der herbstlichen Wälder Dschanors spielt. Die Protagonisten geraten wiederholt in nahezu ausweglose Situationen, die durch direktes göttliches Eingreifen nicht unbedingt ungefährlicher werden. Auch in der Sprache schlägt sich dieser düstere Eindruck nieder, denn es werden weniger Witze gemacht - dafür wird mehr geflucht.

Der Lesefluß leidet darunter jedoch keineswegs. Wenn man selbstbewußte Kriegerinnen, rasante Kämpfe sowie zum Teil gruselige Begegnungen mit Göttern und Dämonen mag - und selbst vor dem Gefühlschaos der Protagonisten nicht zurückschreckt - reißt den Leser die wohlformulierte, spannende Geschichte von 'Yenayas Smaragd' ab dem ersten Kapitel mit. Es wird folgerichtig - aber nicht vorhersehbar - eine auch selbstständig funktionierende Fortsetzung von 'Mitternachtsrot' erzählt, die dazu neues Licht auf die bekannten Charaktere wirft. Und für mich kommt die Geschichte von Lisaans und Tareqs Zweisamkeit mit den letzten Worten von 'Yenayas Smaragd' auch zu einem runden Ende.

Für die Freunde der Papierbücher sei gesagt, daß 'Yenayas Smaragd' bisher nur als eBook erschienen ist. Doch von 'Mitternachtsrot' gab es einige Zeit nach der Ersterscheinung als eBook ein sehr schön gemachtes Paperback mit einliegender vollfarbiger Karte von Dschanor. Ich hoffe, daß es ein solches Paperback auch von 'Yenayas Smaragd' geben wird.

Meine Leseempfehlung geht an alle ab etwa 15 Jahren, die 'Mitternachtsrot' mochten, sowie an jene, die nicht nur Abenteuergeschichten mit schwertkämpfenden Frauen mögen, sondern auch an die wahre Liebe glauben.

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© Bettina Lege (eMail schreiben) 2004 / 2017,
zuletzt geändert am 09.02.2017.